Unternehmerisches Handeln
mit Mut zum Risiko

Anna Stöhr, Human Capital Operations Manager
Studium der Wirtschaftspsychologie, Universität Wien
Seit 2011 in der Miba Coating Group

Günter Hehenfelder, General Manager Miba Coating Group
Betriebswirtschaftsstudium an der JKU Linz und an der University of Manchester
Absolvent der Miba Leadership Academy (MLA)
Seit 1999 in der Miba, 2005 Aufbau der Miba Coating Group

Die Miba Coating Group ist der Spezialist für innovative Beschichtungslösungen. Von einem kleinen Unternehmen in Niklasdorf, Steiermark mit 15 Mitarbeitern und einer negativen Bilanz, hat sich der Geschäftsbereich hin zum internationalen Kompetenzzentrum mit einem Umsatz von 20 Millionen Euro und 180 Mitarbeitern in Österreich, England und China entwickelt.


 

Die Miba Coating Group hat ihre Bedeutung als junge Gruppe in den letzten Jahren enorm gesteigert. Worauf lässt sich dieser Erfolg zurückführen? Welche unternehmerischen Maßnahmen waren bzw. sind dafür nötig?


Günter: Es ist eine Kombination aus mutigen Entscheidungen und dem unbedingten Willen, etwas Größeres erreichen zu wollen. Um erfolgreich zu sein, braucht es aber auch die richtigen Menschen, die bereit sind mitzuziehen, viel Fleiß und manchmal auch das nötige Glück des Tüchtigen.

 

Wie würdest du die Anfänge beschreiben? 

Günter: Nach der Übernahme 2005 ging es darum, das bestehende Unternehmen zu stabilisieren, in die schwarzen Zahlen zu kommen und das Überleben zu sichern. Dann haben wir angefangen, das Unternehmen konsequent auf Wachstum auszurichten. Über die Jahre wurde das Stammgeschäft weltweit ausgerollt sowie neue Technologien und innovative Produkte entwickelt, die uns auch in Zukunft das Wachstum sichern sollen. Ich erzähle gerne die Geschichte: Wir sind damals eine überschaubare Truppe gewesen, sind bei allen wichtigen Entscheidungen zusammen gestanden, haben einen Kaffee getrunken und besprochen, was Sinn macht und was nicht. Mittags wurde bei einer Laufrunde besprochen, zu welchem Kunden wir am nächsten Tag fahren. Abends ging es oft länger und an der Hotelbar wurde dann noch schnell eine Kalkulation gemacht – es herrschte die sehr besondere Situation und Stimmung eines „Start-ups“. Mit dem Neubau und dem Umzug nach Oberösterreich gab es dann neue Strukturen. Seitens des Miba Vorstands gab es eine große Vertrauensvorleistung, dass wir das Projekt auch tatsächlich „stemmen“ können.

 

Was zeichnet die Miba Coating Group deiner Meinung nach generell aus? Wie würdest du die Gruppe charakterisieren? Worin liegen ihre Stärken?

Anna: Wir haben die perfekte Mischung aus familiärer Atmosphäre und den Strukturen der Miba Gruppe im Hintergrund. Wir können die Strukturen einer international tätigen Unternehmensgruppe nutzen, sind dabei aber noch klein und flexibel. Wir kriegen viel von den unterschiedlichen Bereichen mit, es ist ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl zu spüren.

Günter: Es herrscht nach wie vor diese „Aufbruchsstimmung“ in der Coating Group. Der unbedingte Wille, sich nicht mit dem Geschafften zufrieden zu geben. Wir wollen mehr, nicht nur ein paar Prozent wachsen. Wir wollen uns in den nächsten Jahren verfünffachen.

 

Gibt es besondere Anforderungen, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Coating Group – neben ihrer fachlichen Qualifikation – erfüllen müssen? Was zeichnet sie aus?

Anna: Für mich ist es wichtig, Mitarbeiter nicht nur auf Grund ihrer Ausbildung auszuwählen. Es geht vielmehr darum, die richtige Persönlichkeit zu finden. In den Gesprächen achte ich auf die Grundhaltung: Wie stehen die Bewerber einer Leistungsbereitschaft gegenüber, passen sie zu unserem dynamischen Umfeld, fühlen sie sich bei uns wohl? Die Einstellung „geht nicht, gibt’s nicht“ müssen bei uns alle an den Tag legen.

Günter: Die Leute müssen lernwillig sein, Eigeninitiative zeigen, unternehmerisch denken und veränderungsbereit sein. Fordern und fördern: Das Mitarbeiter gefördert werden ist ja ganz positiv, bei uns gehört aber auch unbedingt das Fordern dazu – wenn man sich immer nur in der Komfortzone bewegt, kann man sich nicht weiterentwickeln. Es gibt viel Freiraum fürs Gestalten. Wenn Fehler gemacht werden, gehen wir davon aus, dass aus diesen Fehlern gelernt wird. Wir haben einen offenen Umgang mit Scheitern. Etwas, was bei uns über die Jahre nie zu kurz kam, ist der Spaß – wir können alle viel miteinander lachen.

 

Forschung und Entwicklung spielen in der Coating Group eine wichtige Rolle – kannst du erklären weshalb und was das im Detail bedeutet?

Günter: Forschung und Entwicklung haben bei uns einen sehr hohen Stellenwert, gerade auch deswegen, weil unser Geschäftsmodell stark auf das Thema „Individualität der Produkte“ abzielt. Wir bieten unseren Kunden maßgeschneiderte Beschichtungslösungen an. Der Standardisierungsgrad unserer Produkte ist relativ niedrig bzw. der Spezialisierungsgrad sehr hoch. Darüber hinaus gehen wir sehr stark in Vorleistung was Innovationen und neue Technologien betrifft.

Freiraum zu haben bedeutet einerseits, die Chance zur persönlichen Gestaltung zu erhalten, andererseits braucht Freiraum aber auch den Mut, Verantwortung übernehmen zu wollen. Was bedeutet Freiraum für dich persönlich und wie nimmst du dieses Thema innerhalb der Miba wahr?

Anna: Ich habe den Freiraum, Dinge zu entscheiden, muss aber auch die Verantwortung dafür tragen und das ist durchaus auch fordernd. Wenn man die Möglichkeit hat, selbst Lösungen zu finden, ist man auch damit konfrontiert, seine eigene Meinung vertreten zu müssen und zu seinen Entscheidungen zu stehen. Das Tolle daran: Man erkennt was man kann und entwickelt seine Fähigkeiten viel schneller weiter. 

Günter: Für mich persönlich war das, was ich die letzten zehn Jahre machen durfte, ein riesiges Privileg. Wenn man mit 30 gefragt wird, ob man einen Bereich von null weg aufbauen und gestalten möchte, dann ist das schon eine einmalige Gelegenheit. Mit dem Vertrauen seitens der Miba ist mir die Entscheidung sehr leicht gefallen. Den Freiraum muss man dann auch nützen. Mit meiner betriebswirtschaftlichen Ausbildung hatte ich zu diesem Zeitpunkt nur Erfahrungen im Controlling gesammelt. Plötzlich war ich konfrontiert damit, Aufträge an Land zu ziehen, mich im Produktionsbereich auszukennen, Einstellungsgespräche zu führen, etc. Wenn man mit Ehrgeiz und Interesse an die Sache rangeht, ist alles machbar.