Beide Verfahren erzeugen eine unlösbare metallische Bindung, aber mit unterschiedlichen Mechanismen, Stärken und Einsatzbereichen.
Dieser Artikel erklärt:
Bei plattierten Verbundblechen, egal ob per Sprengplattieren oder Walzplattieren hergestellt, werden zwei oder mehr Metalllagen dauerhaft und metallisch miteinander verbunden. Dabei wird keine Klebstoffschicht, keine galvanische Abscheidung und auch keine thermische Spritzschicht verwendet.
Die Bindung entsteht durch direkten atomaren Kontakt zwischen den Metallen.
Ob Sprengplattieren oder Walzplattieren: Beide Verfahren basieren auf demselben Grundprinzip:
Beschichtungen können abblättern, delaminieren oder bei Umformung versagen. Plattierte Verbundbleche nicht. Sie lassen sich biegen, tiefziehen und schweißen wie ein einziges Material.
Das bietet vor allem dort Vorteile, wo hohe mechanische Belastung, Korrosionsschutz und Umformbarkeit gleichzeitig gefragt sind.
Plattierte Verbundbleche ersetzen kein Vollmaterial. Sie ermöglichen Konstruktionen, die mit Vollmaterial nicht realisierbar wären.
Kostenvorteil: Teure Auflagemetalle wie Titan, Nickel oder Edelstahl werden nur dort eingesetzt, wo sie gebraucht werden. Der Grundwerkstoff – meist Baustahl – trägt die Last. Das Auflagemetall schützt die Oberfläche. Das spart Material und Kosten.
Maßgeschneiderte Eigenschaften: Festigkeit, Korrosionsschutz und elektrische Leitfähigkeit lassen sich in einem einzigen Bauteil kombinieren, ohne Schweißen oder Kleben.
Verarbeitbar wie Vollmaterial: Plattierte Verbundbleche lassen sich biegen, tiefziehen, lagenweise schweißen und trennen. Die Bindung übersteht diese Prozesse ohne Delamination.
Mögliche Anwendungsbeispiele: Chemische Apparate und Reaktoren, Druckbehälter, Kfz-Ölkühler, Elektrokontaktteile, Hitzeschutzschilde in der Abgastechnik.
Walzplattieren ist das am weitesten verbreitete Verfahren für plattierte Verbundbleche. Es gibt zwei Varianten, die sich in Prozesstemperatur, Enddicke und Einsatzbereich unterscheiden.
Beim Kaltwalzplattieren werden die Metalllagen nach einer definierten Vorbehandlung kalt gewalzt. Anschließend folgt ein Haftungsglühen, das die Bindung stabilisiert.
Stärken des Kaltwalzplattierens: präzise Schichtdicken, hohe Wiederholbarkeit, gut skalierbar für Serienproduktion. Die thermische Belastung ist gering, was empfindliche Materialkombinationen schützt.
Typische Materialkombinationen:
Kupfer-Stahl: für Münzen (dekoratives Kupfer und billiger Stahl)
Aluminium-Stahl: für Korrosionsbeständigkeit des Aluminiums in der Automobilindustrie
Kupfer-Aluminium: Elektrokontakte, usw
Typische Anwendungen: Stahl mit diversen tribologischen Speziallegierungen. Miba setzt das als Vormaterial für die Lagerfertigung ein (von einzelnen Stück für 2-Takt Schiffsmotoren, bis hin zu 10.000en Stück für LKW Anwendungen)
Beim Warmwalzplattieren werden die Metalllagen zu einem Paket zusammengestellt, vakuumdicht verschweißt, auf Walztemperatur erhitzt und dann gemeinsam gewalzt.
Das Ergebnis: Grobbleche mit Dicken bis zu 150 mm, Längen von 10 bis 12 m und Breiten von 2,5 bis 4 m.
Typische Anwendungen: Das Verfahren eignet sich für Anwendungen, bei denen große Formate und hohe Grundwerkstoffdicken gefragt sind.
Sprengplattieren funktioniert ohne Wärme. Das ist der Kern des Verfahrens. Das ist das Grundprinzip:
Das Ergebnis: In der Bindezone entsteht eine wellenförmige Struktur. Diese Wellenform ist kein Fehler. Sie ist der Beweis für die mechanische Verzahnung der Materialien.
Vorteile: Weil keine thermische Behandlung nötig ist, entstehen keine spröden intermetallischen Phasen. Das macht Sprengplattieren zu einer Option für Materialkombinationen, die sich thermisch nicht vertragen, wie Aluminium auf Kupfer.
Sprengplattieren deckt so die größte Materialvielfalt aller Plattierverfahren ab.
Mögliche Dicken: Auflagendicken von 1 bis 15 mm sind möglich. Die Dicke des Grundwerkstoffs ist praktisch unbegrenzt.
Typische Anwendungen: Druckbehälter, Reaktormatelkessel, Rohrleitungen in der Chemie, Anlagen zur Meerwasserentsalzung.
Welches Verfahren passt? Die Antwort hängt von drei Faktoren ab: Materialkombination, Geometrie und Stückzahl.
| Kriterium | Warmwalzplattieren | Kaltwalzplattieren | Sprengplattieren |
| Produktform | Grob- & Feinblech | Feinblech / Band | Grobblech |
| Dicke Grundwerkstoff | bis 150 mm | Band bis ca. 5 mm Stab bis 20 mm | praktisch unbegrenzt |
| Materialvielfalt | mittel | hoch | sehr hoch |
| Kleinmengen | eingeschränkt | möglich | möglich |
| Thermische Belastung | hoch | gering | keine |
| Kosten | moderat | moderat | hoch |
Sprengplattieren klingt aufwendig? Das stimmt. Es ist ein spezialisiertes Verfahren und wird dort eingesetzt, wo es für bestimmte Materialkombinationen und Geometrien schlicht keine Alternative gibt.
Miba Bearings Materials (MBM) ist Spezialist für Walzplattieren. Das schließt Kleinmengen ausdrücklich ein.
Viele große Hersteller produzieren plattierte Verbundbleche in Großserien. Für Kleinmengen, Sonderkombinationen oder dicke Bleche bis 20 mm fehlt dort oft der Ansprechpartner. MBM füllt diese Lücke.
Die technische Beratung beginnt beim Werkstoff. Welche Materialkombination passt zur Anwendung? Welches Verfahren ist technisch und wirtschaftlich sinnvoll? Diese Fragen werden gemeinsam mit dem Kunden geklärt.
Für besondere Anforderungen setzt MBM auf die Beltcasting-Technologie. Dieses Verfahren ermöglicht es auch Kleinmengen an speziellen Aluminium-Legierungen herzustellen, welche dann unter anderem durch Walzplattieren auf einen Grundkörper aufgebracht werden können.
Sprechen Sie mit unseren Experten. Wir klären gemeinsam, welches Verfahren und welche Materialkombination für Ihre Anwendung passt.